Reverse Charge Verfahren bei der Umsatzsteuer einfach erklärt

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Normalerweise weist ein umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer in seinen Rechnungen Umsatzsteuer aus, die er anschließend ans Finanzamt abführen muss. Doch zu diesem Grundsatz gibt es eine Ausnahme: Das so genannte Reverse Charge Verfahren, nach dem der leistende Unternehmer eine Nettorechnung ausstellt und der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer ausrechnen und ans Finanzamt abführen muss. Reverse Charge wird auch als Umkehr der Steuerschuldnerschaft bezeichnet.

Grundsätze zu Reverse Charge

Das Reverse Charge Verfahren kommt nur zur Anwendung, wenn sowohl der Rechnungsaussteller (= Erbringer der Leistung) als auch der Leistungsempfänger (= Rechnungsempfänger) ein Unternehmer ist und über bestimmte Leistungen abgerechnet wird. Die Vorgaben, für welche Leistungen das Reverse Charge Verfahren zur Anwendung kommt, finden Sie in Paragraph 13b UStG sowie näher beschrieben in verschiedenen Schreiben des Bundesfinanzministeriums.

Beispiel: Ein in der Schweiz ansässiger Unternehmer erbringt für Ihr Unternehmen in Deutschland umsatzsteuerpflichtige sonstige Leistungen. Dafür rechnet er 10.000 Euro netto – also ohne Umsatzsteuerausweis – ab. Da nach Paragraph 13b Abs. 2 Nr. 1 UStG für Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers das Reverse Charge Verfahren gilt, müssen Sie die Umsatzsteuer ausrechnen – hier 1.900 Euro – und nach Paragraph 13b Abs. 5 UStG als Schuldner ans Finanzamt abführen.

Sind Sie zum Vorsteuerabzug berechtigt, dürfen Sie trotz des fehlenden Umsatzsteuerausweises in gleicher Höhe Vorsteuer gegenrechnen. Im Endeffekt müssen Sie also null Euro ans Finanzamt zahlen. Ziel des Reverse Charge Verfahrens ist die Sicherstellung, dass die Umsatzsteuer des im Ausland ansässigen Unternehmens in Deutschland bezahlt wird. Ohne Reverse Charge könnte der im Ausland ansässige Unternehmer die Umsatzsteuer offen ausweisen, Sie könnten sich die Vorsteuer erstatten lassen und der Rechnungsaussteller könnte sich aus dem Staub machen, ohne die Umsatzsteuer in Deutschland zu bezahlen. Und genau diese Steuerausfälle sollen durch das Reverse Charge verhindert werden.

Praxis-Tipp:
Reverse Charge kommt also in vielen Bereichen zum Einsatz, in denen es in der Vergangenheit Probleme mit den Umsatzsteuerzahlungen ans Finanzamt gab. Paragraph 13b UStG sieht das Reverse Charge Verfahren deshalb unter anderen bei Bauleistungen, Leistungen von Gebäudereinigern oder bei Lieferung sicherungsübereigneter Wirtschaftsgüter vor. Eine abschließende Aufzählung finden Sie in § 13b Abs. 1 und Abs. 2 UStG.

Reverse Charge auch für Kleinunternehmer ein Thema

Ist ein Unternehmer beim Finanzamt als Kleinunternehmer nach § 19 UStG erfasst, muss er keine Umsatzsteuer ausweisen und kann im Gegenzug keine Vorsteuererstattung beantragen. Da er jedoch umsatzsteuerlich dennoch als Unternehmer einzustufen ist, kann er Steuerschuldner werden und muss fremde Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Kurios, aber nicht zu ändern.
Beispiel: Ein Kleinunternehmer nach § 19 UStG versteigert über ebay Waren. Ebay stellt ihm hierfür eine Rechnung über netto 1.000 Euro. Da die Rechnung von ebay aus Luxemburg stammt, ist das Reverse Charge Verfahren anzuwenden. Folge: Der Kleinunternehmer muss die Umsatzsteuer für ebay in Höhe von 1.90 Euro als Schuldner ans Finanzamt abführen. Einen Vorsteuerabzug hat er als Kleinunternehmer nicht.

Neuregelung 2018: Reverse Charge Schweiz

Reverse Charge ist nicht nur ein deutsches Produkt zur Sicherung des Umsatzsteueraufkommens. Das Reverse Charge Verfahren wird in allen EU-Staaten und in Ländern wie beispielsweise der Schweiz angewandt.

Beispiel: Ein in Deutschland ansässiger Unternehmer erbringt in der Schweiz an ein Schweizer Unternehmen Beratungsleistungen.

Folge: Solche Leistungen sind in der Schweiz umsatzsteuerpflichtig und unterliegen der Schweizer Bezugssteuer (= Reverse Charge Schweiz). Das Schweizer Unternehmen muss die Umsatzsteuer für den deutschen Leistenden an den Schweizer Fiskus abführen.

Fazit: Das Reverse Charge Verfahren in der Umsatzsteuer macht den Leistungsempfänger zum Schuldner der Umsatzsteuer für Leistungen eines anderen Unternehmers. Das praktische an dieser Regelung für den Schuldner der Umsatzsteuer: Ist er zum Abzug der Vorsteuer berechtigt, ist es völlig egal, ob die Rechnung alle nach § 14 Abs. 4 UStG notwendigen Rechnungsangaben enthält oder ob überhaupt eine Rechnung gestellt wird (Abschnitt 13b.15 Abs. 2 und 3 Umsatzsteueranwendungserlass). Es gilt der Grundsatz: Meldet er die Umsatzsteuer nach Paragraph 13b UStG im Reverse Charge Verfahren an, bekommt er ohne Wenn und Aber den ihm zustehenden Vorsteuerabzug.

 

 

Autor: Bernhard Köstler

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