Leasingsonderzahlung für Firmenwagen: Steuerrisiko droht

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Ermitteln Sie den Gewinn aus Ihrer gewerblichen oder selbständigen Tätigkeit nach der Einnahmen-Überschussrechnung gemäß § 4 Abs. 3 EStG, droht bei Zahlung einer Leasingsonderzahlung für einen Firmenwagen ein ungeahntes Steuerrisiko. Die Finanzämter versuchen nämlich, das Steuersparmodell „Leasingsonderzahlung kombiniert mit Kostendeckelung“ auszuhebeln.

Leasingsonderzahlung für Firmenwagen & Kostendeckelung

Bevor wir Ihnen das Gestaltungsmodell „Leasingsonderzahlung & Kostendeckelung“ vorstellen und Ihnen das dabei drohende Steuerrisiko erklären, zuerst ein paar kurze Informationen zur Kostendeckelung.

Nutzt ein Unternehmer seinen Firmenwagen auch privat und ermittelt den zu versteuernden Privatnutzungsanteil nach der 1%-Regelung, sollte der Unternehmer den ermittelten Betrag unbedingt mit den tatsächlichen Kosten für den Firmenwagen abgleichen. Denn sind die tatsächlichen Pkw-Kosten eines Jahres niedriger als der Betrag nach der 1%-Regelung für dieses Jahr, greift die so genannte Kostendeckelung. Mit anderen Worten: Der zu versteuernde Privatnutzungsanteil ist in diesem Fall auf die tatsächlichen Pkw-Kosten begrenzt (BMF, Schreiben v. 18.11.2009, Az. IV C 6 – S 2177/07/10004; Rz. 18).

Beispiel: Ein Unternehmer nutzt seinen Firmenwagen auch privat (Bruttolistenpreis 70.000 Euro). Da kein Fahrtenbuch geführt wurde, ist der zu versteuernde Privatnutzungsanteil nach der 1%-Regelung zu ermitteln. Für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb fallen nichtabziehbare Betriebsausgaben in Höhe von 2.000 Euro an. Die tatsächlichen Pkw-Kosten betragen pro Jahr 6.000 Euro.

Ermittlung des zu versteuernden Privatnutzungsanteils:

 

1%-Regelung für Privatnutzung nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG (70.000 Euro x 1% x 12 Monate) 8.400 Euro
+ Nichtabziehbare Betriebsausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 EStG +2.000 Euro
= Privatnutzungsanteil gesamt 10.400 Euro
Gesamtkosten des Firmenwagens -6.000 Euro
= Positiver Differenzbetrag = Anwendung der Kostendeckelung 4.400 Euro
= Fazit: zu versteuernder Privatnutzungsanteil ist begrenzt auf die Höhe der tatsächlichen Kosten für den Firmenwagen 6.000 Euro

Steuergestaltungsmodell mit Leasingsonderzahlung für Firmenwagen

In der Praxis machte bei der Einnahmen-Überschussrechnung ein vermeintliches Steuersparmodell die Runde. Dabei leaste ein Unternehmer seinen Firmenwagen und leistet eine sehr hohe Leasingsonderzahlung. Die Leasingsonderzahlung für den Firmenwagen ist bei der Einnahmen-Überschussrechnung im Jahr der Zahlung in voller Höhe als Betriebsausgabe abziehbar. Die laufenden Leasingraten für den Firmenwagen und damit die gesamten Firmenwagenkosten sind in den Folgejahren aufgrund der hohen Leasingsonderzahlung so gering, dass bei Ermittlung des Privatanteils nach der 1%-Regelung die so genannte Kostendeckelung greift.

Mehrere Finanzverwaltungen haben ihre Sachbearbeiter und Prüfer bereits dazu aufgerufen, dieses Steuersparmodell nicht mehr anzuerkennen bzw. auszuhebeln. Eine ungewöhnlich hohe Leasingsonderzahlung für den Firmenwagen soll zwar bei Ermittlung des Gewinns nach der Einnahmen-Überschussrechnung nach wie vor im Jahr der Zahlung in voller Höhe als Betriebsausgabe abgezogen werden dürfen. Doch bei Ermittlung der tatsächlichen Pkw-Kosten für die Frage der Anwendung der Kostendeckelung soll die Leasingsonderzahlung für den Firmenwagen auf die Laufzeit des Leasingvertrags aufteilt werden.

Beispiel: Ein Unternehmer least für sein Unternehmen einen Firmenwagen. Zu Beginn der 36-monatigen Leasinglaufzeit leistet er eine Leasingsonderzahlung für den Firmenwagen in Höhe von 45.000 Euro. Der zu versteuernde Wert für die Privatnutzung und für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb betragen pro Jahr 9.000 Euro.  Die Gesamtkosten im zweiten und dritten Leasingjahr betragen aufgrund der sehr niedrigen Leasingrate lediglich 5.000 Euro pro Jahr.

Ermittlung der Kostendeckelung für 2. Und 3. Leasingjahr:

 

So sollte der Unternehmer rechnen So sollen die Finanzämter rechnen
Zu versteuernder Privatanteil 9.000 Euro 9.000 Euro
Abzgl. Gesamtkosten Firmenwagen -5.000 Euro 20.000 Euro (Leasingsonderzahlung für ein Jahr 15.000 Euro + laufende Kosten 5.000 Euro)
Unterschiedsbetrag Positiver Unterschiedsbetrag = Anwendung Kostendeckelung Negativer Unterschiedsbetrag = keine Anwendung der Kostendeckelung
Zu versteuernder Privatnutzungsanteil pro Jahr 5.000 Euro 9.000 Euro

 

Leasingsonderzahlung bei Firmenwagen: Gegenwehr lohnt sich

Sollte ein Sachbearbeiter oder Prüfer des Finanzamts die Anwendung der Kostendeckelung verweigern, weil er die Leasingsonderzahlung auf die Laufzeit verteilt hat, empfiehlt sich Gegenwehr. Legen Sie gegen nachteilige Steuerbescheide Einspruch ein, haben Sie gute Chancen Recht zu bekommen. Denn diese von der Finanzverwaltung geforderte Neuberechnung bei der Kostendeckelung ist weder durch das Gesetz noch durch das BMF-Schreiben v. 18.11.2009 gedeckt. Lenken weder das Finanzamt noch die übergeordnete Behörde ein, sollte eine Klage in Erwägung gezogen werden.

Praxis-Tipp:

Es ist auch zu erwarten, dass jeder Sachbearbeiter und jeder Prüfer andere Maßstäbe anlegt. Denn wann eine Leasingsonderzahlung für den Firmenwagen ungewöhnlich hoch ist und deshalb die neue Rechenmethode bei Kostendeckelung anzuwenden ist und wann eine Leasingsonderzahlung angemessen und damit die Kostendeckelung nach den Grundsätzen des BMF-Schreibens v. 18.11.2019 greifen, ist in den internen Schreiben der verschiedenen Finanzverwaltungen nicht näher definiert. Ungleichbehandlungen sind damit also vorprogrammiert und können nur durch Gegenwehr der Unternehmer verhindert werden.

 

 

Autor: Bernhard Köstler

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