Gewerbesteuermessbescheid – dieser kommt ab jetzt vom Finanzamt

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Sie übermitteln Ihre Gewerbesteuererklärung an Ihr Finanzamt. Dort bearbeiten die Beamten sie und ermitteln den Gewerbesteuermessbetrag. Zusammen mit dem Gewerbesteuerbescheid Ihrer Gemeinde erhalten Sie dann auch den Bescheid über den Gewerbesteuermessbetrag. Doch damit ist ab 1.1.2019 Schluss. Die Zuständigkeiten ändern sich (vgl. Ministerialblatt NRW Ausgabe 18 Nr. 22 vom 11.9.2018).

 

Bisheriges Verfahren wird geändert

Seit Ewigkeiten ermittelt Ihr Finanzamt auf der Grundlage Ihrer Gewerbesteuererklärung den für Ihr Unternehmen geltenden Gewerbesteuermessbetrag. Dieser Bescheid wird von Ihrem Finanzamt an die für Ihr Unternehmen zuständige Gemeinde geschickt. Auf der Grundlage des Gewerbesteuermessbetrags ermittelt Ihre Gemeinde dann den von Ihnen zu zahlenden Gewerbesteuerbetrag. Zusammen mit dem Gewerbesteuerbescheid Ihrer Gemeinde erhalten Sie den Gewerbesteuermessbetrag, den das Finanzamt ermittelt hat.

Achtung

Einen Einspruch gegen die Höhe des Gewerbesteuermessbetrags mussten Sie immer beim Finanzamt und nicht bei Ihrer Gemeinde einlegen. Nachdem das Finanzamt Ihren Gewerbesteuermessbetrag geändert hatte, informierte es Ihre Gemeinde, die dann einen neuen Gewerbesteuerbescheid erließ. Ein Rechtsbehelf gegen den Gewerbesteuerbescheid Ihrer Gemeinde hätte keinen Erfolg.

 

Neues Verfahren ab 1.1.2019

Dieser Ablauf gehört nach dem 1.1.2019 der Vergangenheit an. Möglich wird dies durch das „Gesetz zur Aufhebung des Gesetzes zur Stärkung des Kreistags und zur Änderung kommunalrechtlicher, haushaltsrechtlicher und steuerrechtlicher Vorschriften“. Ab dem Jahreswechsel ist eine Bekanntgabe des Gewerbesteuermessbescheids durch die Kommunen nicht mehr zulässig. Die Finanzverwaltung und Kommunen bereiten sich auf die Umstellung und den Wechsel der Zuständigkeiten schon jetzt vor:

  • Gewerbesteuermessbescheide, die vor der Umstellung des Verfahrens an die Gemeinden von der Finanzverwaltung übersandt wurden, sind von den Gemeinden noch vor dem 1.1.2019 an die betroffenen Unternehmen zu versenden.
  • Sollte die rechtzeitige Bekanntgabe durch die Gemeinden bis zum 1.1.2019 nicht möglich sein, geben die Gemeinden die betroffenen Gewerbesteuermessbescheide an die Finanzverwaltung zurück. In diesen Fällen erhalten Sie Ihren Gewerbesteuermessbescheid von Ihrem Finanzamt.

Sie erhalten den Gewerbesteuermessbetragsbescheid früher

Ab dem 1.1.2019 werden Sie Ihren Gewerbesteuermessbetragsbescheid direkt vom Finanzamt erhalten. Die Bescheiddaten werden elektronisch an Ihre Gemeinde übermittelt. Von dort erhalten Sie dann Ihren Gewerbesteuerbescheid, ohne dass er den bisherigen Gewerbesteuermessbetragsbescheid enthält. Das neue Verfahren gilt ab dem 1.1.2019 auch für alle früheren Jahre. Ändert sich z. B. durch eine Betriebsprüfung der Gewerbesteuermessbetrag 2014 für Ihr Unternehmen, erhalten Sie

  • den geänderten Gewerbesteuermessbetrag 2014 von Ihrem Finanzamt und zusätzlich
  • den geänderten Gewerbesteuerbescheid 2014 von Ihrer Gemeinde.

 

So ermitteln Sie die Gewerbesteuer

Ein Unternehmen erzielt einen Gewinn von 60.000 €. Der vorläufige Gewerbeertrag beträgt ebenfalls 60.000 €. Im Fall A wird das Unternehmen als Einzelunternehmen und im Fall B als Kapitalgesellschaft betrieben. Sie rechnen wie folgt:

 

So ermitteln Sie die Gewerbesteuer
Natürliche Person Kapitalgesellschaft
Vorläufiger Gewerbeertrag 60.000 € 60.000€
-Freibetrag -24.500 € 0 €
Gewerbeertrag 35.500 € 60.000€
Steuermessbetrag (Gewerbeertrag x 3,5 %) 1.242,50 € 2.100 €
Hebesatz z.B. Lippstadt 440 % 440 %
Gewerbesteuer (Steuermessbetrag x Hebesatz) 5.467 € 9.240 €

 

Sofern Sie Ihr Unternehmen in der Rechtsform eines Einzelunternehmens oder einer Personengesellschaft betreiben, können Sie noch einen Teil der Gewerbesteuer auf Ihre Einkommensteuer anrechnen lassen. Die pauschale Anrechnung beträgt das 3,8-Fache des Gewerbesteuermessbetrags, hier: 4.721,50 (1.242,50 € x 3,8). Ihre Gewerbesteuerbelastung beträgt insgesamt 745,50 € (5.467 € – 4.721,50 €).

 

Meine Empfehlung

Stellen Sie Abweichungen zwischen Ihrer Berechnung und dem Gewerbesteuermessbetragsbescheid Ihres Finanzamts fest, legen Sie sofort Einspruch ein und beantragen Sie die Aussetzung der Vollziehung für den Differenzbetrag. Dadurch erreichen Sie, dass die Gewerbesteuer sofort reduziert wird, da der Bescheid des Finanzamts die Grundlage für den Gewerbesteuerbescheid bildet.

 

 

 

Autor: Markus Kahr

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