Geldwerter Vorteil: So versteuern Sie Ihren Firmenwagen richtig!

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Geldwerter-Vorteil

Sobald Sie Ihrem Mitarbeiter einen Firmenwagen zur Verfügung stellen, erhält er einen geldwerten Vorteil, den Sie im Rahmen seiner Lohnabrechnung als Arbeitslohn erfassen. Im Klartext: Sein Gehalt erhöht sich um den entsprechenden Anteil.

1 % Regelung

Stellen Sie Ihrem neuen Mitarbeiter einen Firmenwagen (auch) zur Privatnutzung zur Verfügung, führt dies bei ihm zu einem geldwerten Vorteil. Dies gilt selbst dann, wenn er das Fahrzeug tatsächlich nicht privat nutzen sollte. Den geldwerten Vorteil ermitteln Sie nach der 1 % Regelung.

Beispiel für die 1 % Regelung

Ihr Mitarbeiter darf einen VW Tiguan nutzen, den Sie zum Hauspreis bei einem Händler für 45.000 € erworben haben. Tatsächlich kostet das Fahrzeug 55.000 €. So ermitteln Sie den geldwerten Vorteil:

  • Bruttolistenpreis = 55.000 €
  • 1 % für private Nutzung = 550 €
  • Geldwerter Vorteil je Monat = 550 €

Da Ihr Mitarbeiter den Wagen auch für Fahrten zwischen seiner Wohnung und seiner ersten Tätigkeitsstätte nutzt, erhöht sich der geldwerte Vorteil um 0,03  % des Bruttolistenpreises. Dieser Betrag ist zusätzlich zu den 550 € im Monat anzusetzen. Ihr Mitarbeiter wohnt 20 km von seiner ersten Tätigkeitsstätte entfernt. Sie rechnen dann:

  • Bruttolistenpreis = 55.000 €
  • 1 % für private Nutzung = 550 €
  • Fahrten, Wohnung -> erste Tätigkeitsstätte, 55.000 € x 0,03 % x 20 km =  330 €
  • Geldwerter Vorteil gesamt je Monat = 880 €
  • Geldwerter Vorteil im Jahr (880 € x 12) = 10.560 €

Entfernungspauschale in der Einkommensteuererklärung

Ihr Mitarbeiter kann im Rahmen seiner privaten Einkommensteuererklärung eine Entfernungskostenpauschale von 0,30 € je Entfernungskilometer geltend machen. Bei einer 5-Tage-Woche akzeptiert das Finanzamt 230 Tage. So ermittelt Ihr Mitarbeiter seine Werbungskosten:

  • Fahrkosten: 230 Tage x 20 km x 0,30 € = 1.380 €

Dem Werbungskostenabzug von 1.380 € steht der geldwerte Vorteil in Höhe von 10.560 € gegenüber, sodass sich der Firmenwagen insgesamt wie folgt steuerlich auswirkt:

  • Geldwerter Vorteil/Jahr = 10.560 €
  • Werbungskosten = – 1.380 €
  • Zu versteuernder Vorteil = 9.180 €

 

 

Meine Empfehlung

Die entscheidenden Stellgrößen für die Höhe des geldwerten Vorteils sind die Höhe des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs und die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. In aller Regel können Sie nur den Wert des Fahrzeugs beeinflussen. Je geringer dieser ist, desto geringer fällt die Steuerbelastung aus. Bezogen auf das obige Beispiel, kostet der Firmenwagen Ihren Mitarbeiter bei einem unterstellten Steuersatz von 30 % pro Jahr 2.754 € (9.180 € x 30 %).

 

Geldwerter Vorteil bei einem Fahrzeugpool

Von einem Fahrzeugpool gehen Sie immer dann aus, wenn die Zahl der Nutzungsberechtigten die Zahl der Fahrzeuge übersteigt. Dürfen Ihre Poolfahrzeuge von Ihren Mitarbeitern auch privat genutzt werden, gehen Sie wie folgt vor: Teilen Sie die Summe aller Bruttolistenpreise durch die Zahl der Nutzungsberechtigten. Auch hier erfolgt die Aufteilung rein nach Köpfen, unabhängig von der tatsächlichen Nutzung der einzelnen Mitarbeiter.

Beispielrechnung für die Ermittlung des Sachbezugs bei Poolfahrzeugen:

  • Summe aller Bruttopreise (30.000 € + 18.000 € + 22.000 €) = 70.000 €
  • 1 % von 70.000 € = 700 €
  • auf jeden der 5 Mitarbeiter entfallen (700 € / 5 Nutzer) = 140 €

In Ihrem Fahrzeugpool befinden sich 3 Fahrzeuge mit einem Bruttolistenpreis von 30.000, 18.000 und 22.000 €. 5 Ihrer Mitarbeiter sind berechtigt, auf diesen Fahrzeug­pool zuzugreifen, und dürfen die Fahrzeuge auch für Pri­vatfahrten nutzen. In diesem Fall sind die Konsequenzen für Ihre Mitarbeiter ganz einfach zu ermitteln. Auf jeden entfällt ein geldwerter Vorteil von 140 €. Um diesen Betrag erhöhen Sie das jeweilige Bruttogehalt und nehmen die Lohnabrechnung vor.

Den Nutzungswert für Fahrten zwischen Wohnung und ers­ter Tätigkeitsstätte ermitteln Sie mit 0,03 % des Listenprei­ses aller Kraftfahrzeuge. Anschließend wird er durch die Zahl der Nutzungsberechtigten geteilt. Diesen Wert mul­tiplizieren Sie bei jedem einzelnen Arbeitnehmer mit der Zahl der Entfernungskilometer.

Fortführung der Beispielrechnung:

Von Ihren 5 Mitarbeitern wird das Fahrzeug lediglich von 3 Arbeitnehmern für Fahrten zwischen Wohnung und ers­ter Tätigkeitsstätte genutzt.

Die Entfernungen betragen: A: 12 km, B: 10 km, C: 3 km, D und E fahren nur privat.

  • Summe aller Bruttopreise = 70.000 €
  • 0,03 % von 70.000 € = 21 €
  • auf jeden der 5 Mitarbeiter entfallen = 4,20 €
  • geldwerter Vorteil A: 4,20 € x 12 km = 50,40
  • geldwerter Vorteil B: 4,20 € x 10 km = 42
  • geldwerter Vorteil C: 4,20 € x 3 km = 12,60

Die Gesamtbeträge des geldwerten Vorteils ergeben:

  • Für Nutzer A: 140 € Grundvorteil + 50,40 € Fahrten = 190,40 € Sachbezug gesamt
  • Für Nutzer B: 140 € Grundvorteil + 42 € Fahrten = 182 € Sachbezug gesamt
  • Für Nutzer C: 140 € Grundvorteil + 12,60 € Fahrten = 152,60 € Sachbezug gesamt
  • Für Nutzer D+E: 140 € Grundvorteil = 140 € Sachbezug gesamt
 

¡Achtung!

Der Ansatz eines geldwerten Vorteils setzt voraus, dass Sie Ihren Mitarbeitern tatsächlich einen Firmenwagen zur privaten Nutzung überlassen. Schließen Sie eine private Nutzung des Fahrzeugs aus, kommt es nicht zum Ansatz eines geldwerten Vorteils.

Autor: Markus Kahr

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