Entnahme eines Pkw: Das sind die Steuer-Besonderheiten

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Bei Entnahme eines fremdfinanzierten Pkw aus dem Betriebsvermögen ins Privatvermögen schaut das Finanzamt ganz genau hin. Neben der korrekten ertragsteuerlichen und umsatzsteuerlichen Behandlung bei Entnahme eines Pkw interessiert sich das Finanzamt vor allem dafür, ob der entnommene Pkw fremdfinanziert war. Hintergrund: Dann wandert auch die Darlehensverbindlichkeit ins Privatvermögen.

 

Steuer-1×1 zur Entnahme eines Pkw ins Privatvermögen

Haben Sie einen Pkw, der dem Betriebsvermögen zugeordnet ist, kommt es in den folgenden Situationen zur Entnahme des Fahrzeugs ins Privatvermögen:

  • Variante 1: Sie erklären für den betrieblichen Pkw ausdrücklich die Entnahme ins Privatvermögen.
  • Variante 2: der betriebliche Pkw wird verschenkt.
  • Variante 3: der betriebliche Pkw wird zu mehr als 90% privat genutzt.

In der ersten Variante ist der Fall steuerlich klar, denn die Entnahme eines Fahrzeugs erfordert von Ihnen grundsätzlich eine Entnahmehandlung, die von einem Entnahmewillen getragen wird.

Bei Variante 2 und 3 liegt eine Entnahme auch ohne Entnahmewillen vor, weil sich die die bisherige betriebliche Nutzung des Wagens auf Dauer so ändert, dass er seine Beziehung zum Betrieb verliert und dadurch zum notwendigen Privatvermögen wird (Hinweis 4.3 Abs. 2-4 „Entnahmehandlung“ Einkommensteuer-Hinweise).

Praxis-Tipp

In der Praxis versuchen Sachbearbeiter und Prüfer der Finanzämter auch bei einer erheblichen Nutzungsänderung ohne eindeutige Entnahmeerklärung die Entnahme eines Pkw zu berücksichtigen, wenn der Pkw durch die Nutzungsänderung kein notwendiges, sondern nur noch gewillkürtes Betriebsvermögen darstellt. Das ist jedoch nicht zulässig. Verweisen Sie den Finanzbeamten in diesem Fall auf die Richtlinie 4.3 Abs. 3 der Einkommensteuer-Richtlinien. Dort steht schwarz auf weiß, dass eine Nutzungsänderung nicht zur Entnahme eines Pkw führt, solange der Pkw nicht zum Privatvermögen wird (Nutzung zu weniger als 10% betrieblich).

 

Beispiel: Ihr betrieblicher Pkw wurde bisher dem notwendigen Betriebsvermögen zugerechnet. Nach einer Nutzungsänderungen beträgt der betriebliche Nutzungsumfang a) nur noch 40% oder b) nur noch 8%. Das hat ertragsteuerlich folgende Konsequenzen:

 

Variante 1: Nach Nutzungsänderung betrieblicher Nutzungsumfang 40% Variante 2: Nach Nutzungsänderung betrieblicher Nutzungsumfang 8%
Entnahme des Pkw Nein, da in diesem Fall gewillkürtes Betriebsvermögen vorliegt und kein Privatvermögen. Ja, selbst ohne eindeutige Entnahmeerklärung, weil der Pkw durch die Nutzungsänderung zum Privatvermögen wird.

 

Darlehen für Wagen-Kauf teilt Schicksal der Entnahme des Pkw

Wurde der Wagen fremdfinanziert und im Zeitpunkt der Entnahme besteht noch eine Darlehensschuld, teilt dieses Darlehen das Schicksal der Pkw-Entnahme. Das bedeutet: Es wird ebenfalls aus dem Betriebsvermögen ins Privatvermögen übernommen (Richtlinie 4.2 Abs. 15 der Einkommensteuer-Richtlinien). Die Schuldzinsen stellen ab dem Entnahmezeitpunkt also keine Betriebsausgaben mehr dar.

Praxis-Tipp

Etwas anders gilt, wenn ein fremdfinanzierter Pkw verkauft wird. Reicht der Verkaufserlös nicht aus, um die betriebliche Schuld vollständig zu tilgen, bleibt die Darlehensverbindlichkeit weiterhin Betriebsvermögen. Die Schuldzinsen sind bis zur vollständigen Tilgung dieses Darlehens als Betriebsausgabe abziehbar.

 

Beispiel: Sie schenken einen bisher dem Betriebsvermögen zugeordneten Pkw Ihrer Tochter. Der Pkw wurde fremdfinanziert und das ebenfalls zum Betriebsvermögen gehörende Darlehen ist noch nicht vollständig getilgt. Variante a: Sie schenken den Pkw Ihrer Tochter oder Variante b: Sie verkaufen den Pkw an Ihre Tochter.

Variante a: Schenkung des Pkw Variante b: Verkauf des Pkw
Entnahme des Pkw ja nein
Entnahme der Darlehensverbindlichkeit ja nein
Betriebsausgaben für Schuldzinsen nein, ab Entnahmezeitpunkt Ja

 

Zwei steuerliche Besonderheiten bei Entnahme eines fremdfinanzierten Pkw

Bei Entnahme eines fremdfinanzierten Pkw müssen insbesondere bilanzierende Unternehmer zwei steuerliche Besonderheiten auf dem Schirm haben.

Besonderheit 1: Rechnungsabgrenzungsposten teilt nicht Schicksal der Fahrzeug-Entnahme

Wurde bei Darlehensaufnahme ein Disagio geleistet, dass in der Bilanz auf die Darlehensdauer aktiv abgegrenzt wurde, könnte so manch eifriger Finanzbeamte auf die Idee kommen, dass auch der im Zeitpunkt der Entnahme noch bestehende aktive Rechnungsabgrenzungsposten das Schicksal der Entnahme des Pkw teil, also auch entnommen wird. Doch gegen diese Auffassung lohnt sich Gegenwehr. Denn ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten für das abgegrenzte Disagio stellt kein Wirtschaftsgut im Rahmen der Steuerbilanz dar. Eine Entnahme scheidet dadurch aus.

⇒Folge: Der aktive Rechnungsabgrenzungsposten ist vielmehr bei Entnahme des Darlehens in voller Höher gewinnmindernd aufzulösen.

 

Besonderheit 2: Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz vorprogrammiert

Durch die Entnahme eines fremdfinanzierten Pkw kommt es zwingend zu einer Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz. Denn teilt die Darlehensforderung in der Steuerbilanz das Schicksal der Entnahme des Pkw, bleibt die Darlehensschuld bis zu deren vollständiger Tilgung weiterhin in der Handelsbilanz.

Anzusetzender Wert bei Entnahme eines Pkw

Scheidet ein fremdfinanzierter Pkw durch Entnahme aus dem Betriebsvermögen aus, ist steuerlich Folgendes veranlasst:

  1. Bis zum Entnahmezeitpunkt darf noch die Pkw-Abschreibung als Betriebsausgabe verbucht werden (Richtlinie 7.4 Abs. 8 der Einkommensteuer-Richtlinien).
  2. Der verbleibende Buchwert im Zeitpunkt der Entnahme ist auszubuchen.
  3. Als Entnahmewert ist der Teilwert des Pkw im Zeitpunkt der Entnahme zu berücksichtigen (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Teilwert ist gleichzusetzen mit dem am Markt noch zu erzielenden Verkaufspreis.
  4. Sie müssen auf die Entnahme noch Umsatzsteuer berechnen und ans Finanzamt abführen, weil die Entnahme eines Pkw einer Lieferung gegen Entgelt gleichgestellt wird, wenn beim Kauf des Pkw ein Vorsteuerabzug bestand (§ 3 Abs. 1b UStG).
  5. Der Darlehensbetrag wird im Zeitpunkt der Entnahme ebenfalls ins Privatvermögen überführt.
  6. Die ab dem Zeitpunkt der Entnahme des Pkw anfallenden Schuldzinsen sind nicht mehr als Betriebsausgabe abziehbar.

Typischer Praxisfall

Ein bisher Ihrem Betriebsvermögen zugeordneter Pkw wird ab 1.4. zu 100% von Ihrem Ehepartner privat genutzt und das Finanzamt bemerkt diese Entnahme. Der Pkw hat im Zeitpunkt der Entnahme noch einen Buchwert von 27.500 Euro. Die Jahresabschreibung beträgt 10.000 Euro. Der Teilwert des Pkw beträgt 50.000 Euro. Der Pkw wurde fremdfinanziert. Im Zeitpunkt der Entnahme hat das Darlehen noch einen Wert von 55.000 Euro. Die Jahreszinsen betragen 3.200 Euro. Im Zeitpunkt der Entnahme besteht noch ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten von 3.000 Euro, der aus einem Disagio bei Darlehensaufnahme resultiert.

  1. Abschreibung bis zum 31.3.: Verbuchung einer gewinnmindernden Betriebsausgabe in Höhe von 2.500 Euro (Abschreibung pro Jahr 10.000 Euro x 3/12).
  2. Ausbuchung des verbleibenden Buchwerts in Höhe von 27.500 Euro
  3. Der Entnahmewert beträgt 50.000 Euro
  4. Der Entnahmewert erhöht sich um 9.500 Euro Umsatzsteuer (50.000 Euro x 19%), also auf 59.500 Euro.
  5. Der Darlehensbetrag in Höhe von 55.000 Euro wird als Entnahme erfasst.
  6. Abzug der Zinsen bis 31.3.: Verbuchung gewinnmindernder Betriebsausgaben in Höhe von 800 Euro (Zinsen pro Jahr 3.200 Euro x 3/12).
  7. Gewinnwirksame Ausbuchung des aktiven Rechnungsabgrenzungspostens in Höhe von 3.000 Euro.

 

 

Autor: Bernhard Köstler

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