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EÜR

Ermitteln Sie den Gewinn für Ihre gewerbliche oder für Ihre freiberufliche Tätigkeit mit einer Einnahmen-Überschussrechnung gemäß § 4 Abs. 3 EStG, gibt es ein paar wenige Grundsätze, die zu beachten sind und zahlreiche steuersparende Tipps und Gestaltungsüberlegungen. Hier die besten Tipps zur Einnahmen-Überschussrechnung im Überblick.

  Bei der Einnahmen-Überschussrechnung gibt es nur ein paar wenige Grundregeln, die Sie als Unternehmer bei der Gewinnermittlung zu beachten haben. Insbesondere folgende Grundregeln sollten Sie kennen:

  • Es sind nur Einnahmen zu erfassen, die Ihnen in einem Kalenderjahr zugeflossen sind. Ausnahme hierzu bildet die 10-Tage Regel nach 11 Abs. 1 EStG
  • Erfasst werden nur die Betriebsausgaben, die Ihnen in einem Kalenderjahr abgeflossen sind. (Ausnahme s.o., § 11 Abs. 2 EstG)
  • Alle Einnahmen-Überschussrechner müssen ihre Steuererklärungen samt Anlage EÜR in elektronischer Form ans Finanzamt übermitteln.
  • Die Anlage EÜR mit der detaillierten Aufschlüsselung von Einnahmen und Ausgaben ist unabhängig von der Höhe der Betriebseinnahmen von jedem Unternehmer () auszufüllen, der seinen Gewinn nach $ 4 Abs. 3 EStG ermittelt.

Überblick zum Zu- und Abflussprinzip

 
Zahlungsmethode Zufluss einer Betriebseinnahme Abfluss einer Betriebsausgabe
Barzahlungen Geldübergabe Geldübergabe
Scheck Entgegennahme des Schecks Hingabe des Schecks
EC-/Kreditkarte Gutschrift auf dem Konto Unterschrift auf Zahlungsbeleg
Überweisung Gutschrift auf dem Konto Eingang des Überweisungsauftrags bei der Überweisungsbank
Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen/Ausgaben Bei Zahlungseingang (z.B. Miete Dezember 2018) bis 10.1.2019 = Einnahmen 2018 Bei Zahlung (z.B. Miete Dezember 2018) bis 10.1.2019 Ausgabe 2018

Praxis-Tipp:

Insbesondere aufgrund der Regelungen zum Zu- und Abflussprinzip ergeben sich für Unternehmer, die ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, zahlreiche Gestaltungsüberlegungen.

Einnahmen-Überschussrechnung – Tipp 1: Clevere Aufzeichnungen

Jeder Unternehmer muss die Anlage EÜR ausfüllen und zusammen mit seiner Einkommensteuererklärung beim Finanzamt einreichen. Da macht es Sinn, seine Buchhaltung bzw. seine Aufzeichnungen an die strenge Unterteilung der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben in der Anlage EÜR anzupassen. Dann brauchen Sie am Jahresende nur noch die Salden der einzelnen Aufzeichnungen in die jeweilige Zeile der Anlage EÜR übertragen. Das spart viel Zeit bei der Gewinnermittlung.

Praxis-Tipp:

Wollen Sie Ihre Aufzeichnungen für 2019 an die strenge Unterteilung in der Anlage EÜR anpassen, finden Sie hier das Steuerformular EÜR 2018, an dem Sie sich bei den Aufzeichnungen für 2019 orientieren sollten. Die Anlage EÜR 2019 wird voraussichtlich erst im Oktober/November 2019 veröffentlich werden.

Einnahmen-Überschussrechnung – Tipp 2: Kreditkartenabrechnung im Januar checken

Bei Zahlung von betrieblichen Ausgaben mit der Kreditkarte gibt es beim Abflussprinzip eine Besonderheit. Der Abfluss erfolgt bereits mit der Unterschrift auf dem Zahlungsbeleg bzw. mit Eingabe der PIN beim Zahlungsvorgang. Wann die Kreditkartengesellschaft die Zahlung von Ihrem Girokonto einzieht, spielt dagegen keine Rolle.

Praxis-Tipp:

Das bedeutet im Klartext: Bezahlen Sie betriebliche Ausgaben mit Ihrer Kreditkarte im Dezember und die Kreditkartenfirma bucht diese Zahlung erst im Januar des Folgejahrs ab, liegen steuerlich noch Betriebsausgaben des abgelaufenen Kalenderjahrs vor. Brauchen Sie also dringend Betriebsausgaben, um den Gewinn des abgelaufenen Jahres zu reduzieren, hilft Ihnen womöglich ein Blick in die Kreditkartenabrechnung Dezember, die Gegenstand der Abbuchung im Januar 2019 ist.


Beispiel: Sie zahlen mit der Kreditkarte am 28.12.2018 betriebliche Ausgaben in Höhe von 2.700 Euro. Die Kreditkartengesellschaft bucht diese Zahlung Mitte Januar 2019 von Ihrem Girokonto ab. Folge: Diese 2.700 Euro erfassen Sie bei der Einnahmen-Überschussrechnung 2018 als Betriebsausgaben, weil der Abfluss bereits im Dezember mit der Unterschrift beim Bezahlvorgang am 28.12.2018 erfolgte.

Einnahmen-Überschussrechnung – Tipp 3: Leasing-Sonderzahlung voll abziehbar

Leasen Sie Ihren Firmenwagen und leisten eine Leasing-Sonderzahlung, ist diese Zahlung bei Nutzungsüberlassungen bis 5 Jahre in voller Höhe als Betriebsausgabe abziehbar. Eine gewinnmindernde Verteilung der Sonder-Leasingrate auf mehrere Jahre wie bei der Bilanzierung gibt es bei der Einnahmen-Überschussrechnung nicht.


Beispiel: Sie leasen im Dezember 2018 einen neuen Firmenwagen für 36 Monate und leisten eine Leasing-Sonderzahlung in Höhe von 10.000 Euro. Folge: Die komplette Leasing-Sonderzahlung in Höhe von 10.000 Euro mindert Ihren Gewinn 2018.

Einnahmen-Überschussrechnung – Tipp 4: Besonderheit beim Investitionsabzugsbetrag

Bei der Gewinnermittlung können Sie sogar Betriebsausgaben geltend machen, ohne tatsächlich einen Cent ausgegeben zu haben. Möglich macht das die Vorschrift zum Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG. Abziehbar sind 40% der voraussichtlichen Anschaffungskosten beim geplanten Kauf von beweglichen Gegenständen des betrieblichen Anlagevermögens innerhalb der nächsten drei Jahre.

Praxis-Tipp:

Wichtige Voraussetzung für Unternehmer, die Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln: Der Gewinn vor Abzug dieses Investitionsabzugsbetrags darf nicht mehr als 100.000 Euro betragen.

 

Beispiel:

Sie planen im Jahr 2020 den Kauf einer neuen Produktionsmacheine für voraussichtliche Nettokosten von 20.000 Euro. Ihr Gewinn 2018 beträgt bisher 55.000 Euro. Folge: Sie können für die geplante Investition einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 8.000 Euro geltend machen (20.000 Euro x 40%). Ihr Gewinn 2018 beträgt dann nur noch 47.000 Euro.

Einnahmen-Überschussrechnung – Tipp 5: Letzte Umsatzsteuerzahlung clever planen

Die letzte Umsatzsteuerzahlung für das abgelaufene Jahr, die im Januar des Folgejahrs fällig wird, gehört bei der Einnahmen-Überschussrechnung in die Kategorie „regelmäßig wiederkehrende Ausgaben“ (siehe Tabelle zum Zu- und Abflussprinzip).  Das bedeutet im Klartext: Wird die letzte Umsatzsteuerzahlung bis zum 10. Januar des Folgejahrs ans Finanzamt überwiesen, gilt diese Zahlung noch als Betriebsausgabe für das abgelaufene Steuerjahr.

Beispiel – bei Überweisung der Zahlung: Sie übermitteln die Umsatzsteuervoranmeldung 12/2018 am 4.1.2019 elektronisch ans Finanzamt und errechnen eine Zahllast von 3.000 Euro. Diese Zahllast begleichen Sie bis zum 10.1.2019 per Überweisung. Folge: Da die Umsatzsteuerzahlung eine regelmäßig wiederkehrende Ausgabe ist und die Zahlung bis zum 10.1.2019 erfolgte, können Sie die Zahlung in Höhe von 3.000 Euro noch bei der Einnahmen-Überschussrechnung 2018 als Betriebsausgabe erfassen.

Praxis-Tipp:

Nehmen Sie am Lastschriftverfahren teil und das Finanzamt bucht die letzte Umsatzsteuerzahlung für das abgelaufene Jahr erst nach dem 10.1.2019 von Ihrem Girokonto ab (was der Regelfall sein dürfte), gilt unter folgenden Voraussetzungen dennoch die Zuordnung des Betriebsausgabenabzugs zum Jahr 2018:

  • Die Umsatzsteuervoranmeldung 12/2018 bzw. für das vierte Quartal 2018 wird fristgemäß bis zum 10.1.2019 ans Finanzamt übermittelt und
  • Ihr Girokonto, von dem das Finanzamt die Umsatzsteuer abbucht, muss am 10.1.2019 eine ausreichende Deckung für die Abbuchung aufweisen.

Beispiel – bei Abbuchung der Zahlung:

Sie übermitteln die Umsatzsteuervoranmeldung 12/2018 am 4.1.2019 elektronisch ans Finanzamt und errechnen eine Zahllast von 3.000 Euro. Da Sie am Lastschriftverfahren teilnehmen, bucht das Finanzamt die Zahlung am 16.1.2019 von Ihrem Girokonto ab. Von Ihrem Girokonto hätte am 10.1.2019 jedoch nur ein Betrag von bis zu  1.500 Euro abgebucht werden können. Folge: Zwar ist die Umsatzsteuerzahlung eine regelmäßig wiederkehrende Ausgabe und Sie haben die Voranmeldung fristgemäß bis zum 10.1.2019 ans Finanzamt übermittelt. Der Betriebsausgabenabzug im Jahr 2018 scheitert jedoch an dem Umstand, dass Ihr Konto zum 10.1.2019 nicht die notwendige Deckung zur Abbuchung der Umsatzsteuerzahlung aufwies. Die abgebuchten 3.000 Euro stellen deshalb Betriebsausgaben für die Einnahmen-Überschussrechnung 2019 dar.



Autor: Bernhard Köstler

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