Betriebsprüfung – das bedeutet die Statistik für Sie

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Jährlich werden die statistischen Ergebnisse der Betriebsprüfungen im vorherigen Jahr vom BMF veröffentlicht. Die Ergebnisse der Betriebsprüfungen des Jahres 2017 liegen jetzt vor (vgl. BMF-Monatsbericht November 2018 vom 22.11.2018). Die wesentlichen Zahlen sollten Sie kennen, denn hieran können Sie einschätzen, ob Ihrem Unternehmen eine Betriebsprüfung bevorsteht.

Die 3 wichtigsten Ergebnisse für Sie zusammengefasst

 

  1.  Im Jahr 2017 haben die Prüfer bundesweit durch Betriebsprüfungen ein Mehrergebnis von rund 17,5 Mrd. € in die Staatskasse eingespielt.
  2. Die Finanzverwaltung setzte im Jahr 2017 bundesweit 13.651 Prüfer ein. Diese erzielten durchschnittlich ein Mehrergebnis von rund 1,28 Mio. € pro Prüfer.
  3. Von den 7.816.301 Betrieben, die in der Betriebskartei der Finanzämter erfasst sind, wurden 186.826 Betriebe geprüft; das entspricht einem Anteil von 2,4 %.

Zahlen spiegeln tatsächliche Ergebnisse wider

Es handelt sich um Ergebnisse von Betriebsprüfungen bei gewerblichen Unternehmen, freiberuflich Tätigen, land- und forstwirtschaftlichen Betrieben aller Größenordnungen sowie bei Bauherrengemeinschaften, Verlustzuweisungsgesellschaften und sonstigen Steuerpflichtigen. Ergebnisse der Lohnsteueraußenprüfungen, der Umsatzsteuer-Sonderprüfungen und der Steuerfahndungsdienste sind in diesen Aufzeichnungen nicht enthalten.

 

Prüfer werden gezielt eingesetzt

Ein Unternehmen mit internationalen Geschäftsbeziehungen und einem Milliardenumsatz wird intensiver und öfter geprüft als der kleine Zeitschriftenkiosk an der Ecke. Damit die Prüfer in den Unternehmen prüfen, wo es fehleranfällige Fallgestaltungen gibt, teilt die Finanzverwaltung die Betriebe in Größenklassen ein. Hier handelt es sich um:

  • Großbetriebe (G),
  • Mittelbetriebe (M),
  • Kleinbetriebe (K) und
  • Kleinstbetriebe (Kst)

Die Zuordnung zur jeweiligen Größenklasse hängt vom Umsatz und Gewinn Ihres Unternehmens ab. Die Einordnung in eine Größenklasse erfolgt stichtagbezogen alle 3 Jahre, sie wurde zum 1.1.2016 vorgenommen und gilt bis zum 31.12.2018. Von der Zuordnung Ihres Betriebs zur jeweiligen Größenklasse hängt ebenfalls die Häufigkeit der Betriebsprüfung ab. Einzelheiten finden Sie in der Übersicht auf der nächsten Seite. Die Einteilung der Betriebsgrößenklassen zum 1.1.2019 lässt noch etwas auf sich warten, da es Probleme mit dem neu geschaffenen Programm für den BP-Innendienst gibt.

Betriebsprüfung – Prüfungszeitraum

Bei Großbetrieben soll der jeweilige Prüfungszeitraum an den vorhergehenden Prüfungszeitraum anschließen, um eine durchgehende Prüfung sämtlicher Veranlagungszeiträume zu erreichen. In allen anderen Fällen soll der Prüfungszeitraum 3 zusammenhängende Jahre nicht übersteigen.

Da auch in der Finanzverwaltung das Personal knapp ist, werden die Prüfer vor allem dort eingesetzt, wo es sich aus Sicht des Fiskus lohnt. Daher werden Großbetriebe besonders intensiv geprüft. In aller Regel werden diese Unternehmen ständig durch die Finanzverwaltung kontrolliert. In Großbetrieben, bei denen im Jahr 2017 eine Außenprüfung abgeschlossen wurde, umfasste der Prüfungszeitraum durchschnittlich 3,3 Veranlagungsjahre, während er bei Mittel- und Kleinbetrieben 3,0 und bei Kleinstbetrieben 2,9 Veranlagungsjahre umfasste.

Das verrät die Statistik über die geprüften Betriebe

7.816.301 Unternehmen waren im Jahr 2017 in der Betriebskartei der Finanzämter. Hiervon wurden lediglich 186.826 Unternehmen abschließend geprüft. Dies entspricht einer Quote von 2,4 %.

Diese Betriebe unterliegen der Betriebsprüfung

Gesamt Geprüft Anteil
Großbetriebe 186.339 40.668 21,8 %
Mittelbetriebe 792.326 50.126 6,3 %
Kleinbetriebe 1.191.438 39.031 3,3 %
Kleinstbetriebe 5.646.198 59.001 1,0 %
Summe 7.816.301 186.826 2,4 %

 

Möglicherweise wird Ihnen bei den Werten zu den Großbetrieben sofort auffallen, dass sie nicht lückenlos geprüft werden, obwohl dies eigentlich so vorgesehen ist. Der Grund liegt darin, dass die Finanzverwaltung eine Vielzahl der Betriebe im Rahmen der Prüfungsvorbereitung als nicht prüfungsbedürftig ansieht.

 

Wann das Finanzamt einen Betrieb als nicht prüfungswürdig einstuft

 

  • In den Vorjahren war immer alles in Ordnung, was für Ihre Arbeit und Ihre Mitarbeiter spricht.
  • Es handelt sich um Anhangbetriebe der Konzerne, denen keine besondere Bedeutung beigemessen wird.
  • Es handelt sich um reine Verwaltungsgesellschaften.

Spezielle Finanzämter prüfen Großbetriebe

Die Einstufung als Großbetrieb hat u. a. in Nordrhein-Westfalen zur Folge, dass diese Unternehmen aus der Überwachung des „normalen“ Finanzamts ausscheiden. Zuständig für die Bearbeitung aller Steuererklärungen bleibt zwar das Betriebsstättenfinanzamt, die Zuständigkeit für eine Betriebsprüfung wechselt dann aber auf das Finanzamt für Groß- und Konzernbetriebsprüfungen. Diese Finanzämter sind ausschließlich für die Prüfung von Großbetrieben zuständig.

Großbetriebe sollen lückenlos geprüft werden

Nach dem Willen der Finanzverwaltung sollen Großbetrieben grundsätzlich lückenlos geprüft werden. Damit sollen sich die jeweiligen Prüfungszeiträume nahtlos aneinander anschließen. Bei allen anderen Betrieben soll der Prüfungszeitraum nicht mehr als 3 zusammenhängende Besteuerungszeiträume umfassen. In der Praxis werden Sie feststellen, dass in aller Regel ein Zeitraum von 3 Jahren (z. B. 2015 bis 2017) geprüft wird. Dies ist der sogenannte Prüfungszeitraum. Um eine effektive Betriebsprüfung zu erreichen, werden die zu prüfenden Betriebe unter Risikogesichtspunkten ausgewählt und nicht schematisch, d. h., Großbetriebe werden lückenlos, andere Betriebe unter Risikogesichtspunkten gezielt geprüft.

 

72,2 % der Unternehmen sind Kleinstbetriebe

72,2 % aller Unternehmen in Deutschland sind Kleinstunternehmen. Hierunter fallen 5.646.198 Unternehmen. Die Finanzverwaltung prüft nur 1 % dieser Unternehmen. Als Kleinstunternehmen gelten Unternehmen, die bis zu 190.000 € Erlöse oder bis zu 40.000 € Gewinn erzielen. Ausnahmen sind in der Tabelle dargestellt.

 

So setzen sich die Mehrsteuern zusammen

Den größten Anteil am Mehrergebnis für das Jahr 2017 insgesamt hat die Körperschaftsteuer (25,7 % bzw. 4,5 Mrd. €), gefolgt von der Gewerbesteuer (21,7 % bzw. 3,8 Mrd. €). Auf Platz 3 folgt die Einkommensteuer mit 15,1 % (2,6 Mrd. €) und die Umsatzsteuer mit 10,7 % (1,9 Mrd. €).

 

Zinsen fallen an wegen unterschiedlicher Fälligkeitspunkte

An Zinsen wurden im Jahr 2017 insgesamt 16,4 % (2,9 Mrd. €) fällig. Diese Verzinsung (Vollverzinsung) schafft einen Ausgleich dafür, dass die Steuern trotz des gleichen gesetzlichen Entstehungszeitpunkts zu unterschiedlichen Zeitpunkten festgesetzt und erhoben werden. Insbesondere bei Betriebsprüfungsfällen besteht zwischen dem Entstehungszeitpunkt der Steuer und der Fälligkeit der abschließenden Zahlung nach einer Außenprüfung ein erheblicher Zeitraum.

Der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, und endet mit Ablauf des Tages, an dem die Steuerfestsetzung wirksam wird. Ob die Höhe des Zinssatzes mit 0,5 % je angefangen Monat noch zeitgemäß ist, wird erst im Verlauf des Jahres 2019 höchstrichterlich entschieden. Persönlich rechne ich damit, dass der Zinssatz auf 3 % im Jahr halbiert wird.

 

Fazit

Als Steuerverantwortlicher eines Großbetriebs werden Sie zwangsweise häufiger Kontakt zum Prüfungsdienst Ihres Finanzamts haben als z. B. Ihr Kollege aus einem Mittelbetrieb. Für die Einstufung zur jeweiligen Größenklasse reicht es aus, wenn Sie ein Merkmal der jeweiligen Grenze zum Stichtag (hier 1.1.2016) erreichen. Für den 1.1.2019 werden die Werte nach oben angepasst werden, sie liegen aber leider noch nicht vor.

 

Beispiel:

Ihr Unternehmen stellt Fenster her. Sie erzielen einen Umsatz von 4,6 Mio. € und einen Gewinn von 270.000 €. In diesem Fall zählt Ihr Unternehmen noch zu den Mittelbetrieben. Die Wahrscheinlichkeit einer Betriebsprüfung sinkt. Überschreiten Sie aber die o. g. Grenzen auch nur geringfügig, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Betriebsprüfung in Ihrem Unternehmen enorm.

Da die Grenzen maschinell geprüft werden, reicht das Überschreiten des Betrags bereits um 1 € aus. Sie können sich vor Nachzahlungen nur durch eine perfekte Buchhaltung schützen. Hierbei unterstützen Sie meine Redaktion und ich.

 

Größenklasseneinteilung ab dem 1.1.2016 bis 31.12.2018
Alle Werte in € Betriebsmerkmale Großbetriebe Mittelbetriebe Kleinbetrieb
(G) (M) (K)
Handelsbetriebe Umsatzerlöse oder über 8,0 Mio. über  1,0 Mio. über 190.000
steuerlicher Gewinn über 310.000 über 62.000 über 40.000
Fertigungsbetriebe Umsatzerlöse oder über 4,8 Mio. über 560.000 über 190.000
steuerlicher Gewinn über 280.000 über 62.000 über 40.000
Freie Berufe Umsatzerlöse oder über  5,2 Mio. über 920.000 über 190.000
steuerlicher Gewinn über  650.000 über 150.000 über 40.000
Andere Leistungsbetriebe Umsatzerlöse oder über  6,2 Mio. über 840.000 über 190.000
steuerlicher Gewinn über 370.000 über 70.000 über 40.000
Fälle mit bedeutenden Einkünften Summe der positiven Einkünfte (Arbeitnehmer, Kapitalvermögen, Vermietung  und Verpachtung) über Einstufung immer als Großbetrieb 500.000 €

 

 

Autor: Markus Kahr

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