1% Regelung bei Firmenwagen: Private Nutzung einfach und finanzamtsicher bewerten

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1 prozent regelung Firmenwagen

Der Firmenwagen ist ab einer bestimmten Gehaltsklasse nicht mehr als Gehaltsbestandteil wegzudenken. Er gehört dazu und ist gleichzeitig Statussymbol für Ihre Mitarbeiter. Stellen Sie Ihrem Mitarbeiter ein firmeneigenes Fahrzeug für beruflich veranlasste Fahrten (Dienstreisen, Auswärtstätigkeit) zur Verfügung, handelt es sich nicht um einen steuerpflichtigen Sachbezug. Die Nutzung durch Ihren Mitarbeiter erfolgt in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit und liegt somit in Ihrem eigenbetrieblichen Interesse. Hier ist die Nutzung des Firmenwagens also steuerfrei. Wann und wie Sie einen Firmenwagen zu besteuern haben, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Bei privat veranlassten Fahrten ist der geldwerte Vorteil zu besteuern

Überlassen Sie als Arbeitgeber Ihr firmeneigenes Fahrzeug verbilligt oder unentgeltlich auch für privat veranlasste Fahrten Ihrem Mitarbeiter, liegt in der Nutzungsüberlassung ein Sachbezug vor. Bei diesem Sachbezug handelt es sich um Arbeitslohn, der dem Steuerabzug nach den allgemeinen lohnsteuerrechtlichen Bestimmungen (§§ 38 EStG) unterliegt. Für die Ermittlung des Sachbezugs stehen Ihnen 2 Methoden zur Verfügung.

Die beiden Möglichkeiten zur Ermittlung des Sachbezugs

Möglichkeit 1: Pauschale Bewertung

  • 1 % für Privatfahrten
  • 0,03 % für Fahrten zwischen Wohnung und erster Arbeitsstätte
  • 0,002 % für Familienheimfahrten bei doppelter Haushaltsführung

Möglichkeit 2: Individuelle Bewertung

  • In diesem Fall ermitteln Sie die tatsächlichen Kosten, die auf die privaten Fahrten entfallen. Voraussetzung ist ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch.

Bruttolistenpreis: Die Bemessungsgrundlage für die pauschale Bewertung

Bemessungsgrundlage für eine pauschale Bewertung des Sachbezuges ist der inländische Bruttolistenpreis des Fahrzeuges zum Zeitpunkt seiner Erstzulassung. Der tatsächliche Kaufpreis des Fahrzeuges sowie ein etwaiger Vorsteuerabzug sind für die Wertermittlung unerheblich. Somit erfolgt die Bewertung auch gebraucht angeschaffter Fahrzeuge immer mit dem Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung. Der Listenpreis im Sinne der gesetzlichen Regelung ist die im Zeitpunkt der Erstzulassung für den genutzten Personenkraftwagen im Inland maßgebende unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, zuzüglich der Sonderausstattungen und Umsatzsteuer.

Das ist der Bruttolistenpreis

Da die Umsatzsteuer zur Bemessungsgrundlage gehört, wird in der Praxis vom Bruttolistenpreis gesprochen. Diese gilt für alle Fahrzeuge, also auch für Gebrauchtwagen und für Leasing-Fahrzeuge. Haben Sie ein Fahrzeug mit werkseitig eingebautem Sonderzubehör angeschafft, ist dessen Wert zusätzlich zu berücksichtigen.

Die Umsatzsteuer kommt auch dann noch hinzu. Sonderausstattungen erhöhen jedoch nur dann den maßgebenden Bruttolistenpreis, wenn das Fahrzeug werksseitig bereits damit ausgestattet wurde. Kosten für nachträgliche Einbauten von Sonderausstattungen (z. B. einer Standheizung oder Winterreifen) erhöhen den Bruttolistenpreis nicht.

Diese Kosten bleiben bei der Ermittlung des Bruttolistenpreises immer unberücksichtigt (vgl. R 8.1 Abs. 9 Nr. 1 Satz 6 LStR):

  • Kosten des Autotelefons einschl. Freisprechanlage 
  • Kosten eines weiteren Reifensatzes inkl. Felgen 
  • Überführungskosten 
  • Zulassungskosten

Beispiel: So ermitteln Sie die Bemessungsgrundlage

  • Unverbindliche Preisempfehlung bei Erstzulassung (netto) 50.000 € + Sonderausstattung 8.000 € = Gesamtnettowert: 58.000 €
  • Gesamtnettowert 58.000 € + 19 % Umsatzsteuer 11.020 € = Bruttolistenpreis: 69.020 €
  • auf volle 100 € abgerundet = 69.000 €
  • monatlicher Sachbezugswert 1 % = 690 €

Es kommt für den Ansatz des Sachbezugswertes nicht darauf an, dass Ihr Mitarbeiter den Firmenwagen tatsächlich für private Fahrten nutzt. Die Möglichkeit, dies tun zu können, reicht aus.

Hier unterbleibt die Besteuerung

  1. Kann Ihr Mitarbeiter während eines vollen Kalendermonats das Firmenfahrzeug durchgehend nicht nutzen, unterbleibt der Ansatz eines Sachbezugs. Voraussetzung ist, dass Ihr Mitarbeiter das Fahrzeug auf dem Betriebsgelände abstellt. Dies ist beispielsweise bei Krankheit, Urlaub oder Auslandsaufenthalten vorstellbar. Bleibt das Fahrzeug aber im Zugriffsbereich Ihres Mitarbeiters, ist in diesen Fällen eine Nutzung durch Familienangehörige möglich; somit bleibt es dennoch bei einer Lohnversteuerung.
  2. Sofern es sich bei dem überlassenen Kfz um ein Fahrzeug handelt, welches nach seiner objektiven Beschaffenheit und Einrichtung typischerweise so gut wie ausschließlich nur zur Beförderung von Gütern bestimmt ist und für eine Nutzung zu privaten Zwecken nicht geeignet erscheint (z. B. Werkstatt-/Monteurwagen; BFH, Urteil vom 18.12.2008), unterbleibt eine Besteuerung des Sachbezuges.

Diese Nutzungen sind abgegolten

Durch den Ansatz des geldwerten Vorteils sind alle einem privaten Zweck Ihres Arbeitnehmers dienenden Fahrten abgegolten. Hierzu zählen z. B.

  • Private Urlaubsreisen
  • Mittagsheimfahrten zur Einnahme des Essens
  • Nutzungen durch weitere Personen, denen Ihr Mitarbeiter das Fahrzeug überlässt (dazu gehören etwa der Ehegatte oder die Kinder)
  • Fahrten, die vom Arbeitnehmer im Zusammenhang mit einem weiteren Dienstverhältnis oder gar einer anderen Einkunftsart durchgeführt werden, sind mit der 1-%-Regelung ebenfalls abgegolten

Beispiel: Sie arbeiten und wohnen in Lippstadt. Ihre Tochter wird von Ihrer Frau an einem Sonntag zum Handballspiel nach Dortmund gebracht. Insgesamt fährt Ihre Frau rund 140 km. Diese Fahrt ist mit der 1 % Regelung abgegolten.

Diese Fahrten sind zusätzlich zu besteuern

Nicht zu den Privatfahrten Ihres Arbeitnehmers gehören jedoch die Fahrten zwischen

  • Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie
  • Heimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung.

Diese Fahrten begründen ggf. einen weiteren Nutzungsvorteil und werden daher separat besteuert.

hier erfahren Sie, wie Sie beim Leasing eines Firmenwagens sparen!

Autor: Markus Kahr

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